Hintergrundmaterial: Pioniere der Lüfte

Die Brüder Montgolfier bauten den ersten Heißluftballon, mit dem Menschen in die Luft steigen konnten. Der jahrhundertealte Traum vom Fliegen wurde Wirklichkeit. Ballons waren ein Symbol des Aufbruchs in eine neue Zeit.

Joseph-Michel (1740-1810) und Jacques-Etienne (1745-1799) waren Söhne eines reichen Papierfabrikanten in Südfrankreich. Ihr Charakter war denkbar verschieden. Joseph war der Abenteurer von beiden, der mit dreizehn Jahren für ein paar Tage von zu Hause weglief: Die Schule interessierte ihn nicht besonders. Was er dort versäumt hatte, brachte er sich selbst bei oder erfand mathematische Methoden auf eigene Faust. Sein jüngerer Bruder Etienne dagegen war wohlerzogen und lernte fleißig. Er arbeitete in der Fabrik seines Vaters und studierte Architektur.

Gemeinsam erfanden die Brüder im Jahr 1782 den Heißluftballon. Sie beobachteten, wie kleine Holzstücke über einem Feuer fliegen, und erkannten, dass die Ursache die heiße Luft ist, die das Feuer erzeugt. Daraufhin fertigten sie mit Materialien aus der väterlichen Fabrik Ballons und machten unterhalb von deren Öffnung ein kleines Feuer: Die Ballons füllten sich mit heißer Luft und stiegen nach oben.

Mit der Zeit wurden die Ballons der Brüder immer größer und konnten immer höher fahren. Gefertigt wurden sie aus Leinwand, gefüttert mit Papier und überzogen mit einem Hanfnetz. Im Juni 1783 gab es die erste öffentliche Vorführung mit einem Ballon, der in eine Höhe von 100 Metern stieg und zwei Kilometer weit reiste. Beheizt wurde die Luft im Ballon mit einem Feuer, das am Boden blieb. Im September desselben Jahres stieg in Versailles, vor den Augen des französischen Königs Louis XVI., ein Ballon in die Luft, in dem Lebewesen mitfuhren: Ein Schaf, eine Ente und ein Hahn waren die ersten Luftfahrt-Passagiere. Sie überlebten den Flug; damit war bewiesen, dass es auch dort oben Luft zum Atmen gab, was vorher lange nicht jeder geglaubt hatte.

Nur wenige Wochen später, am 21. November 1783, wagten sich endlich die ersten beiden Menschen an Bord. Dieser Heißluftballon hatte einen Durchmesser von über zehn Metern. Ein Lehrer und ein Offizier fuhren damit in 100 Metern Höhe über Paris und landeten neun Kilometer entfernt. Während der Fahrt mussten sie darauf achten, auf entgegengesetzten Seiten des Ballons zu stehen, damit er nicht seitlich kippte. Auch während der Fahrt heizten sie die Luft nach. Als Brennmaterial hatten sie leichte Wolle und Stroh dabei.

Die Ballonfahrten dauerten immer länger und wurden immer spektakulärer. Bereits 1785 wurde der Ärmelkanal in einem Ballon überquert. Bald entdeckten auch Naturwissenschaftler die Ballons für ihre Zwecke und veranstalteten wissenschaftliche Luftfahrten. Schon Anfang des 19. Jahrhunderts erreichte man einige tausend Meter Höhe und konnte dort die Eigenschaften der Höhenluft untersuchen.

Gefunden von Helmut Thomas aus dem Buch: „Allgemeinbildung – Große Persönlichkeiten“, Hrsg. Martin Zimmerman, Arena Verlag 2004

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