Gipfel einer Evolution - der Daumen

Die menschliche Hand besteht nicht einfach nur aus Knochen, sondern sie ist ein Wunderwerk der Natur. Das Besondere an der menschlichen Hand ist der Daumen, obwohl er der kürzeste Finger ist und auch nur aus zwei Knochen besteht. Durch seine Bewegungsmöglichkeiten nimmt er eine Sonderstellung unter den Fingern ein. In Opposition ist der Daumen beim Menschen gegenüber den anderen Fingern um 130° verdreht. Säuglinge bzw. Kleinkinder erlernen diese Bewegung meistens im Alter von 8-14 Monaten.

Nur der Mensch kann mit seinem Daumen die Fingerspitzen der anderen Finger berühren, weil sein Daumen eben lang genug ist. Erst dadurch wird der so genannte Präzisionsgriff zwischen dem Daumen und dem Zeigefinger möglich. Mit ihm kann man sehr kleine oder zerbrechliche Gegenstände aufheben und festhalten. Ferner kann die Hand, anders als bei allen anderen Primaten, zur Faust geballt werden.

 

Ein Gipfel der Evolution

Der menschliche Daumen ist Gipfel einer Evolution, die wir bis zum Anfang der Primaten zurückverfolgen können.

  • Beim Spitzhörnchen ist die Hand noch sehr primitiv; der Daumen ist nicht in der Lage, besondere Bewegungen auszuführen.
  • Beim Koboldmaki kann der Daumen sich schon um das Gelenk drehen, mit dem er auf dem Mittelhandknochen ruht.
  • Beim Kapuziner, einer Breitnase, ist eine zusätzliche Fähigkeit entstanden: Der Mittelhandknochen des Daumens kann sich selbst hin und her bewegen.
  • Beim Gorilla - und den Menschenaffen im Allgemeinen - kann dieser Knochen rotieren. Wir sehen, dass durch die Reihe der aufsteigenden Primaten der Daumen immer beweglicher wird.

 

Beim Menschen und den Menschenaffen erreicht der Daumen seine maximale Beweglichkeit; bei den großen Menschenaffen erfährt der Daumen aber noch eine weitere Spezialisierung, bei der die durch die skizzierte Evolution entstandenen Möglichkeiten wieder verlorengehen.

Die menschliche Hand verkörpert dagegen die universelle Struktur schlechthin.

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