Kleidung - Toga

Die Römer bestimmten über viele Jahrhunderte das Schicksal der Mittelmeerländer. Ihre Kleidung verfeinerte sich von einer schlichten Einfachheit zu einer stolzen Pracht. Der Grundform blieben die Römer allerdings immer treu. Die »togati« war typisch römisch und unterschied sich von den benachbarten Völkerstämmen.

 

Die Tunika

Das eigentliche Haus- und Arbeitskleid bestand aus zwei wollenen Stoffstücken. Sie waren zusammengenähte. Die Tunika reichte ein wenig unter die Knie, war eng geschlossen und ursprünglich ärmellos, nur mit Armschlitzen versehen. Erst in späterer Zeit erhielt sie lange Ärmel. Sie wurde von einem Gürtel über den Hüften zusammengehalten. Seit 200 v. Chr. kam mit dem steigenden Luxus die Sitte auf, zwei oder oft sogar mehr Tuniken zu tragen. Da die Römer den Falten­wurf bei den Griechen schätzen gelernt hatten, pflegten auch sie später die Tunika weiter zu schneiden und in viele zierliche Falten zu legen. Eine besondere Form hatte das Hochzeitskleid der Männer. Die tunica talaris war aus feinstem Stoff gefertigte und reichte bis zu den Knöcheln.

Auch der Rang oder die Stellung wurde schon in der Kleidung deutlich. So war zum Beispiel die Tunika der Senatoren mit dem breiten Purpur­streifen. Der triumphierende Feldherr hingegen trug eine mit goldenen Palmen bestickte Tunika. Diese Tuniken wurden gürtellos getragen.

 

Die Toga

Trat der Römer in die Öffentlichkeit, so zog er über die Tunika die Toga, die Nationaltracht des freien römischen Bürgers im Frieden, zugleich sein offizielles Staatskleid. Sie wurde in ihrer großartigen Faltengebung und reichen Stoffülle zum Symbol der Herrschaft der dem Römerreich angehörigen Bürger über die anderen Völker.

 

Die Toga war das eigenartigste Kleidungs­stück des Altertums. Sie hatte einen besonderen Schnitt und man benötigte durchaus einige Zeit, um sie anzulegen. Sie bestand aus einem schweren, weißen, ungefähr elliptisch geschnittenen Wollstoffstück, das rund 5 m lang und 3,5 m breit war.

Anhand vieler Statuen können wir heute noch rekonstruieren, wie die Toga getragen wurde. Die Toga mit ihrem äußerst komplizierten Faltenwurf war nicht für den alltäglichen Ge­brauch gedacht. In den meisten Fällen war sie aus naturfarbigem, gelblich-weißem Wollstoff gefertigt. Eine rein weiße Toga trug der Bewerber um ein öffentliches Amt, die toga candida. Daher leitet sich unser Ausdruck Kandidat ab. Die Oberbeamten, ein Teil der Priester und die frei geborenen Knaben trugen die mit einem Purpurstreifen umsäumte toga praetexta. Das grau-schwarze Gewand war die Toga der Trauernden und Angeklagten. Den gold­bestickten Purpurmantel trugen die Triumphatoren sowie Caesar und die Kaiser.

 

Paenula

Eine Ersatzoberkleidung fand der Römer in der Paenula, einem völlig geschlossenen oder auch vorne offenstehenden, glockenförmigen Reise- und Regenmantel aus dichtem, kräftigem Stoff, der ärmellos war und den ganzen Körper bedeckte. Er konnte auch mit einer Ka­puze versehen sein und diente hauptsächlich als Schutz gegen Kälte und Regen. Ihn benützten Frauen auf der Reise.

 

Sagum

Der aus dickem Wollzeug gefertigte Mantel der römischen Soldaten, das Sagum, war auf der Schulter von einer Nadel zusammengehalten. Er verdrängte die Toga aus dem militärischen Gebrauch und wurde bis zum Untergang des Reiches von den Legionären beibehalten. Wie die Toga das Zeichen des Friedens, so war das Sagum ein Zeichen des Krieges. Den purpurfarbenen Kriegsmantel, das Paludamentum, trugen die im Felde stehenden Konsuln, Dik­tatoren, und später galt er als Zeichen der kaiserlichen Gewalt.

 

Keine Beinkleider

Beinbekleidung lernten die Römer erst spät von den gallischen und parthischen Kriegern kennen. In Rom trugen die Männer keine Hosen, Kränkliche umwickelten die Beine bei kalter Witterung mit Schenkelbinden. Die Arbeiter trugen kurze, dunkelfarbige Kleider, die Bauern verwendeten vorwiegend weichgegerbtes Schafleder; bei der Arbeit war man oft nur mit einem Lendenschurz bekleidet.

 

Sandalen

Im Haus trug man an den Füßen Sandalen. Frauen und Männer taten dies gleichermaßen. Bei Tische pflegte man sie abzulegen. In der Öffent­lichkeit trug man zur Toga Schuhe aus schwarzem Leder, die die Füße bis zu den Knöcheln umschlossen. Die Senatoren und die Beamten kurulischer Ämter hatten Schuhe von meist rotem Leder mit höherer Sohle. Der Papst trägt heute noch ähnliche Schuhe. Die Soldaten hingegen benützten lederne Halbstiefel.

 

Schmuck

Der einzige Schmuck des Mannes war ein Ring am Ringfinger der linken Hand, der gleichzeitig zum Siegeln diente. Der Abdruck des Siegelringes ersetzte im Altertum die Unterschrift. Mit dem zunehmen­den Luxus der Kaiserzeit steckte man viele Ringe an, darunter oft sehr kostbare mit geschnittenen Steinen.

 

Die Kleidung der Frau

Auch die Frau trug eine Tunika. Sie war oben an der Brust und um die Beine gleichweit gebunden. Sie reichte bis zu den Füßen und hatte kurze Ärmel. In der Frühzeit fertigte man dieses Untergewand zuerst aus Wolle, dann aus Baumwolle oder später auch aus Seide an.

Darüber legte die Frau eine Stola, das Oberkleid, das ungefähr denselben Schnitt wie die Tunika hatte und unten verziert war. Zum Schürzen des Gewandes diente den Reichen ein aus kostbarem Metall gefertigter und mit Perlen besetzter Gürtel. Die Frauen niederen Standes benützten als Gürtel eine Schnur oder ein buntgesticktes Band. Sie waren fast immer nur mit einer einfachen grobwollenen Tunika bekleidet und benützten bloß bei Schlechtwetter eine wollene Decke als Schultermantel.

 

Die Pella

Aus diesem einfachen Umhang entwickelte sich dann die Palla, die wie die Toga angelegt wurde und den ganzen Körper umhüllte. Auf der Straße ging man oft mit einem langen Schleier. Die Farbe der Kleider war in früher Zeit vorwiegend ein natürliches Weiß. Später waren auch bunte Obergewänder in flimmernd spielenden Tönungen von Rot, Gelb und Grün gebräuchlich, wofür uns die bemalten Terrakotten und die Wandgemälde Pompejis Zeugen sind. Nur die Tunika blieb stets weiß.

Der Damenhut war den Römerinnen unbekannt. Man ging barhäuptig oder bedeckte den Kopf mit dem Zipfel der Palla oder mit einem schalartig gewickelten Kopftuch.