Die Anfänge Athens

Ganz anders als die Spartaner sonderten sich die Athener nicht ab und mieden nicht alles Fremde. Stattdessen machten sie sich mit besonderer Entdeckerfreude zu anderen Küsten auf und trieben mit den dortigen Städten Handel. Als Athen noch eine unbedeutende Macht war, galt Sparta bereits als führend unter den griechischen Stadtstaaten. Um 700 v. Chr. lebten ungefähr 100 000 Menschen auf der Halbinsel Attika, es war dichter besiedelt als alle anderen Teile Griechenlands. Trotz des kargen Bodens lebten die Menschen vorwiegend von der Landwirtschaft, aber seine Bewohner brauchten zusätzliche Einnahmequellen. Die Nähe des Meeres lud zu Fischfang und Handel ein, Öl sowie Wein und kunstvoll bemalte Vasen wurden frühzeitig in andere Länder ausgeführt.

Ursprünglich herrschten die Großgrundbesitzer, die Adeligen, deren mächtigster König genannt wurde. Er hatte seinen Sitz auf dem Burgberg von Athen, der Akropolis. Nach Jahren hatten die Könige ihr Ziel erreicht und ganz Attika unter ihrer Vorherrschaft zusammengeschlossen. Athen und Attika bildeten die attische Polis.

 

Abschaffung der Königsherrschaft

Zunächst schüttelten die Adeligen die Königsherrschaft ab. Die Adeligen waren es ja auch, die zu Pferd, mit kostbarer Rüstung, Schild, Schwert und Lanze bewaffnet in den Krieg zogen. Die Aufgaben des Königs wurden nun auf mehrere Ämter verteilt. Neun Archonten („Herrscher") verwalteten die Polis: 1. der oberste Priester, 2. der Kriegsoberst, 3. der Stadtvorsteher, 4. - 9. die 6 für das Recht und das Gesetz zuständigen Archonten. Nur Männer aus den reichsten Adelsfamilien konnten Archon werden. Zunächst wurden sie auf 10 Jahre, später für jeweils 1 Jahr von der Versammlung der Adeligen gewählt. Nach ihrem Amtsjahr wurden die Archonten auf Lebenszeit Mitglieder des Areopags, der Ratsversammlung, welche die Beamten überwachte und über die schweren Verbrechen als Gerichtshof urteilte.

Wie überall blickte der Adel verächtlich auf die Bauern und erst recht auf die besitzlosen Tagelöhner verächtlich herab. Letztere nannten sie spöttisch „Staubfüßler". Die Bauern konnten ihre Familien oft kaum versorgen, das starke Bevölkerungswachstum verschlechterte ihre Lage von Jahr zu Jahr. Dagegen ging es den reichen Großgrundbesitzern gut: Sie ließen ihre Äcker von Bauern bestellen, die in Abhängigkeit geraten waren, oder aber von Sklaven. Wenn sie die Schulden und die Zinsen nicht zurückzahlen konnten, drohte ihnen die Schuldknechtschaft. Zusammen mit ihren Familienangehörigen konnten sie von den Gläubigern als Sklaven in andere Länder verkauft werden. Die Unzufriedenheit unter den Armen wuchs daher ständig.

Aristoteles: „Es geschah darauf, dass die Vornehmen und die Menge in einen lange dauernden Kampf gerieten. Denn die Verfassung war damals durchaus oligarchisch, (eine Herrschaft von wenigen), vor allem darin, das die Armen mitsamt ihren Kindern und Frauen den Reichen als Sklaven dienen mussten. Sie bearbeiteten die Felder der Reichen und erhielten dafür den sechsten Teil des Ernteertrages als Lohn. Das ganze Land war in wenigen Händen, und wenn die Pächter nicht ihre Zahlung leisteten, so wurden sie und ihre Kinder in die Schuldknechtschaft geführt. Für Anleihen verpfändete man bis zur Zeit Solons regelmäßig seine Person ... Für die große Menge der Bürger war eben diese Sklaverei das drückendste ... an der Verfassung. Sie waren aber auch mit dem übrigen unzufrieden; denn sie hatten sozusagen gar keine Rechte."

 

Die Gegensätze der Bevölkerung

Die Gegensätze zwischen den Schichten der Bevölkerung wurden immer größer. Man fürchtete, dass sich ein einzelner an die Spitze der Unzufriedenen stellen und zum Alleinherrscher, zum Tyrannen, ausrufen lassen könnte, wie es in einigen anderen griechischen Stadtstaaten geschehen war. Man sprach von der Gefahr, dass die armen Bauern einen Aufstand zur Aufteilung des Landes der Adligen anzetteln könnten, das Beispiel Spartas in dieser Hinsicht war sicherlich für manchen ein Wunschtraum. In dieser Lage einigten sich die Athener darauf, Solon, einen Adligen, zu dem alle Vertrauen hatten, als Schiedsrichter einzusetzen.

 

Solon

Solon gab den Athenern erste Gesetze, nachdem er das delphische Orakel befragt hatte. Der Spruch der Pythia lautete:

„Setz dich mitten ins Schiff und lenke das Ruder des Steuers;
Viele Männer Athens die Hand zur Hilfe dir bieten!"