Osterfest

Ein Beitrag aus den Waldorfkindergärten Hagen

Passion und Osterzeit, Himmelfahrt und Pfingsten: Mit Beginn der Passionszeit am Aschermittwoch kehrt vieler­orts, auch bei uns im Kindergarten, wieder eine ruhigere besinnlichere Stimmung ein. Das fröhliche Treiben der Karnevalstage hat ein Ende. Im Mittelpunkt des christli­chen Glaubens steht nun das Geschehen um den Leidens­weg Christi. Für die Kinder im Kindergartenalter themati­sieren wir diese Inhalte noch nicht. Auch im alltäglichen Tun und Erleben der Kinder geben wir diesem Geschehen noch kein übermäßiges Gewicht. Vielmehr sprechen die Bilder in der Natur für sich. Der Winter, vorausgesetzt er hat sich mit all seinen typischen Merkmalen eingestellt, hielt das Leben lange unter einer Decke von Schnee und Eis verborgen. Nun klingt er langsam aus. Bäume und Sträucher strecken aber noch ihre kahlen Äste und Zwei­ge aus und selbst bei klarem Wetter bietet sich uns ein tristes Bild, wenn wir aus dem Fenster schauen. Dieses Bild von Kargheit erleben die Kinder auch drinnen, da wir auch im Haus zurückhaltend mit Farbigkeit umgehen. Der Jahreszeitentisch ist mit einem braunen Tuch bedeckt. Darauf liegt eine Wurzel, in der einige Wurzelkindern oder Wurzelzwerge wohnen. Oder es schmücken ihn ein paar kahle Zweige und in der Mitte steht vielleicht eine leere Schale, die durch die fehlende Fülle ebenfalls Mangel zum Ausdruck bringt. So kann ein wenig von der Stimmung der Passionszeit auch bei uns im Kindergarten deutlich werden.

Lieder und Sprüche wiederum greifen die Ereignisse in der Natur bildhaft auf. Jedoch drückt sich hier schon ganz klar die Erwartung des nahenden Frühlings aus. Mit voranschreitender Zeit gewinnen die Strahlen der Sonne immer mehr an Kraft. Das genießen Groß und Klein während des täglichen Freispiels im Garten. Aller­orten entdecken wir immer mehr Anzeichen, dass der Winter nun bald dem Frühling weichen muss. Es erfreuen uns nicht mehr nur die Schneeglöckchen, sondern je nach Witterung schauen schon einige grüne Spitzen und so­gar Blüten der anderen Frühlingsboten aus dem Erdreich. Etwa zwei bis drei Wochen vor Ostern säen wir mit den Kindern das Ostergras. Auch hier lassen wir ein Bild für das im Erdreich verborgene Leben entstehen. Die Pflanzschälchen erhalten einen hellen Platz und wir gießen vor­sichtig jeden Tag die braune Erde. Schon bald ereignet sich auch hier ein kleines Wunder, denn es zeigen sich die ersten grünen Spitzen, die aus der Erde hinausragen und täglich größer und dichter wachsen. Das unscheinbare, gar nicht lebendig scheinende Samenkorn ist zum Leben erwacht und wird so zum Sinnbild des österlichen Ge­schehens der Auferstehung.
 


Am letzten Kindergartentag nehmen die Kinder ihr Ostergrasschälchen mit nach Hause, wo es weiter gehegt und gepflegt wird. Mit dem Osterfest beginnt die Osterzeit, die 40 Tage bis zu „Christi Himmelfahrt" währt. Haben wir bis zum Osterfest in mancher Hinsicht „gefastet", so können wir jetzt mit dem Fest der Auferstehung unserer Freude durch die Fülle in vielerlei Form Ausdruck verlei­hen. Erst jetzt ist die Zeit gekommen, Zweige mit bunten Ostereiern zu schmücken. Auch Blumenschmuck und ein reich gedeckter Tisch vermittelt die Freude über das, was wir den Kindern noch nicht durch Worte nahebringen. Wollen wir das Ostergeschehen bildhaft an unsere Kinder herantragen, können sie am Ostersonntag dann im Ostergras weitere Symbole finden: ein einfaches aus Zweigen zusammengebundenes Kreuz kann in der Erde stecken, das Ei, ebenfalls Symbol für Leben, wird durch rote Farbe zum Osterei. Rot steht für Blut. Auch Blut ist ein Sinnbild für Leben.

Kehren die Kinder am Dienstag nach Ostern, oder in der Woche darauf, in den Kindergarten zurück, finden sie auch hier österliche Symbole und farbenfrohe Früh­lingsstimmung vor. Auf dem Jahreszeitentisch steht der Osterbaum, der mit Buchsbaum umwickelt ist, und viele bunte Eier trägt. Die leere Schale, die in der Passionszeit auf dem Jahreszeitentisch stand, kann nun ausgeblase­ne Eier aufnehmen. In den nächsten Tagen wollen wir sie gemeinsam anmalen, um sie nach und nach an einem Zweig im Gruppenraum aufzuhängen. Mit dem Beginn der Osterzeit wird täglich ein Ei in unseren Osterstrauch gehängt, bis 40 Eier (40 Tage dauert die Osterzeit) darin hängen. Während dieser Zeit pflegen wir das Ostergras immer tüchtig weiter. Es wird weiter gegossen und, da es schnell wächst, regelmäßig geschnitten. Den Grasschnitt lassen wir trocknen. Das Heu eignet sich gut für die Krip­pe, die wir zur Advents- und Weihnachtszeit wieder im Kindergarten vorfinden. So haben wir einen Bogen zwi­schen zwei ganz wichtigen Ereignissen in der christlichen Kultur geschlagen.

Vierzig Tage nach Ostern ist das Fest der Himmelfahrt Christi gekommen. Die aufgehängten Eier werden nun in einen Schleier, der an eine Wolke erinnert, gehüllt. Oder aber es hängen statt der bunten, nun goldene Eier am Strauch. Gold ist die Farbe für das Himmlische. So oder so bringen wir das Himmelfahrtsgeschehen zum Ausdruck. Das durch die bunten Eier symbolisierte Leben verwandelt sich und findet nun auf einer nicht mehr irdischen Ebene statt. Nach weiteren zehn Tagen, zum Pfingstfest, verschwinden auch die goldenen Eier und es hängen stattdessen die Pfingstvögel in den Zweigen. Die weiße Taube symbolisiert den Heiligen Geist, der mit am Pfingstfest den Menschen offenbart. Schon in den Tagen zuvor haben wir mit den Kindern Pfingstvögelchen hergestellt, die sie dann am Freitag vor Pfingsten mit nach Hause bringen. Die Art, in der die Knet- oder Wollvögelchen an ihren Zweigen fliegen, so beschwingt, frei und fröhlich, verdeutlicht die Freiheit, die in der Natur des Geistigen liegt. Mit dem Pfingstfest findet ein weiterer wichtiger Festeszyklus im Kreise der Jahresfeste, die wir mit Ihren Kindern feiern, seinen Abschluss.

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