Kaspar Hauser

Ein Klassenspiel von Peter Singer

Wie einzigartig jede menschliche Biografie ist - aber auch wie verletzlich, wird immer dann deutlich, wenn willkürliche Fremdeinflüsse ins persönliche Schicksal eingreifen, es umlenken, dauerhaft negativ beeinflussen oder gar gewaltsam beenden. Dies geschah beispielhaft an jener Individualität, die im 19. Jhdt. als Kaspar Hauser in Erscheinung trat.

Das vorliegende Stück, ein Klassenspiel für das achte Schuljahr, entstand unter dem Eindruck der großen Flüchtlingsbewegung im Jahre 2015, als Millionen von Menschen aus dem Krieg in Syrien, dem Irak und Afghanistan sich in Richtung Westen aufmachten. Krieg, Flucht und Vertreibung sind immer gewaltsame Eingriffe in die Schicksale zahlloser Betroffener. Die Biografie des Einzelnen erleidet schwere Einbrüche.

Folgt man den geisteswissenschaftlichen Ausführungen Rudolf Steiners, so strebt jede Menschenseele bei ihrer Verkörperung mit bestimmten Impulsen und Aufgaben, die aus dem Vorgeburtlichen mitgebracht werden, ins Erdenleben. Dazu sucht sie sich das passende menschliche und kulturelle Umfeld. Es ist nicht dem Zufall überlassen, wann, wo und warum ein Mensch geboren wird. Diese Anschauung muss man nicht ungeprüft teilen, doch lässt man den Gedanken an wiederholte Erdenleben nur schon hypothetisch zu, dann wird deutlich, welch einzigartiges, unverwechselbares und unersetzliches Wesen die menschliche Individualität mit ihrem Schicksal ist. Und schaut man nun auf die Folgen, welche Krieg, Terror und Massenfluchten anrichten, dann steht man vor der Tatsache einer großen menschengemachten „Unordnung“ und der noch größeren Aufgabe, diese verwirrten, abgebrochenen oder umgelenkten Lebenslinien wieder aufzunehmen und neues, zukunftsfähiges Schicksal zu gestalten.

Das Stück selbst spielt auf zwei Zeitebenen: Zunächst in der Gegenwart, wo eine Schulklasse im Geschichtsunterricht über die Flüchtlingsfrage diskutiert. Eine Schülerin dieser Klasse liest auf Anregung ihrer Lehrerin den Roman von Jakob Wassermann Kaspar Hauser oder die Trägheit des Herzens - und beschließt, darüber ein Referat zu halten. Dadurch werden wir gleichzeitig ins 19. Jhdt. versetzt und erleben die Auffindung und Erziehung Kaspar Hauser von 1828 bis zu seiner Ermordung im Jahre 1833 auf der Bühne.

Die Zeitsituation hat beim Entstehen des Stückes eine Rolle gespielt. Bei einer Wiederaufführung wäre es jedoch denkbar, die sich auf das Zeitgeschehen von 2015 beziehenden Schilderungen umzuschreiben und ggf. der aktuellen Lage anzupassen. Das Flüchtlingsproblem wird uns in Europa noch lange beschäftigen, - und damit auch die Frage nach dem individuellen Schicksal des Menschen.

Hier können Sie sich das Stück kostenfrei herunterladen:

Kaspar Hauser

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