Klassenbesprechungen

Ein Beitrag von Hanna Kern

In manchen Situationen ist es sinnvoll, wenn eine ganze Klasse gezielt ins Bewusstsein der Gesamtlehrerschaft gerufen wird. Durch die große Aufmerksamkeit, die eine Klasse auf diese Weise erfährt, kann sie indirekt und direkt unterstützt werden.

Eine solche Unterstützung einer Klasse kann nötig werden, wenn beispielsweise ein Stufen- oder Klassenlehrerwechsel ansteht oder es größere Schwierigkeiten mit einer Klasse gibt. Aber auch um die Schulanfänger in der Schulgemeinschaft willkommen zu heißen bzw. eine Klasse aus der Schulgemeinschaft zu verabschieden, kann eine solche Besprechung sinnvoll sein.

 

Was ist eine Klassenbesprechung?

Wie in einer Kinderbesprechung geht es auch in einer Klassenbesprechung darum, phänomenologisch, empathisch und mit einem wahrhaftigen Interesse diagnostisch zu arbeiten (vgl. Kindbesprechungen). So wie jeder Mensch durch verschiedene Aspekte seiner Persönlichkeit individuell und unverwechselbar ist, so hat auch eine Klasse einen bestimmten und unverwechselbaren Charakter. Was macht diese Gruppe im Einzelnen aus? Wie verhält sie sich? Worauf reagiert sie besonders? Wie kann sie ihr Potential entfalten? Dies sind Fragen, die versuchen, das Wesentliche und Wesenhafte einer Klasse auszumachen mit dem Ziel, sie bestmöglich zu fördern.

Der Ablauf einer Klassenbesprechung kann sich an der Struktur von Kinderbesprechungen orientieren. Dabei kann das ganze Kollegium aktiv mit einbezogen werden. Häufiger werden Klassen allerdings lediglich durch ihre(n) KlassenlehrerInnen / KlassenbetreuerInnen und ggf. die Fachlehrer dargestellt, die übrigen Kollegen sind als aktive Zuhörer dabei.

 

Fragen, die für eine Klassenbesprechung hilfreich sein können:

Äußere Umstände

  • Anzahl Jungen / Mädchen
  • Altersspanne der SchülerInnen
  • Gibt es Besonderheiten bei den Eltern? (Berufe, Trennungsrate…)
  • Besondere Ereignisse in der Klassenbiographie (Klassenlehrerwechsel, Fluktuation in der Schülerschaft…)

Beobachtungen im Umgang mit der Klasse

  • Welche Gruppierungen gibt es innerhalb der Klasse? Wie wirken die SchülerInnen innerhalb einer Gruppe aufeinander? Wie wirken solche Gruppen auf das Klassenganze? Sind es die selben Gruppierungen, die auch außerhalb der Schule als Freundeskreise bestehen?
  • Gibt es einzelne Schüler, die als „Anzeiger“ fungieren, die also in ihrem Verhalten etwas über die Klasse als Ganzes aussagen?
  • Wie geht die Klasse mit Autoritäten um? Welche Qualitäten brauchen die Lehrerautoritäten, die von dieser Klasse akzeptiert werden?
  • Welche Gestaltungskräfte leben in der Klasse?
  • Wo äußert sich Selbständigkeit?
  • Ggf. können Schülerarbeiten bildhaft etwas Charakteristisches über die Klasse veranschaulichen.

Die Klasse über sich selbst

  • Äußerungen von SchülerInnen, z. B. im Rückblick auf besondere Projekte (Klassenspiel, Klassenfahrt, erlebnispädagogische Tage…).

Leistungsniveau

  • Aussagen zum Leistungsniveau sind nur dann sinnvoll, wenn sie etwas über die Klasse selbst aussagen.

An dieser Stelle sei auf den Unterschied von Klassenbesprechungen und Klassenübergaben hingewiesen. Das Ziel von Klassenbesprechungen wurde oben erläutert. Bei Klassenübergaben an die neuen KlassenlehrerInnen / -betreuerInnen hingegen wäre Raum, um den gezielten Blick auf einzelne Schüler zu richten.

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