Einleitende Gedanken zum Spielturnen in Klasse 1

Spielturnen oder Spielunterricht ist der Unterricht, der an Waldorfschulen dem eigentlichen Sportunterricht vorausgeht. Es kommt im Spielturnen daher nicht auf ein physiologisches Training an, wie es im späteren Sportunterricht der Fall ist, sondern die äußeren Bewegungen der Sechs- bis Achtjährigen werden vom inneren Bild, d. h. vom inneren Erleben heraus gestaltet. Beim phantasievollen Spielen tun Kinder dies von alleine, im Spielturnunterricht wird es durch bestimmte Spiele, Reigen und Tänze gezielt angeregt.

Wie kann dies methodisch aussehen? Traditionelle Reigen und Singspiele, aber auch einfache (Volks-)tänze verknüpfen nicht nur bildhaftes Geschehen, sondern auch tieferliegende Urbilder und seelische Gesten mit Bewegung. Wenn zum Beispiel der Butzemann im Haus herumtanzt (Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann), so kann dies auch als ungeformter Willensimpuls erlebt werden, der in unserem Inneren sein Unwesen treibt, wenn wir nicht lernen, ihn bewusst zu lenken. In Wir öffnen jetzt das Taubenhaus fliegen nicht nur die Tauben ein und aus, sondern wir erleben durch das Weiten und Verengen des Kreises gleichzeitig zwei polare innere Qualitäten: das in die Peripherie strebende Weltinteresse einerseits und die sich zentrierende Geste des bei sich Seins. In Zeigt her eure Füße, zeigt her eure Schuh werden ganz konkret die Tätigkeiten der fleißigen Waschfrauen nachgeahmt. Durch die Bewegungen wird jedes Kind erleben, wie viele Schritte es braucht, damit die schmutzige Wäsche wieder sauber wird – etwas, was wir uns im Zeitalter der Waschmaschine kaum noch bewusst machen. - Auch traditionelle Rollen- und Fangspiele berufen sich auf Motive, die mehr sind als nur nette, kindliche Bilder. Des Weiteren kann die körperliche Geschicklichkeit der Kinder durch Balancieren, Ballwerfen, Seilspringen, Stelzenlaufen u. a. wachsen.

Aufgabe des Lehrers/der Lehrerin ist es, sich mit feinem Gespür auf die Suche nach den inneren Bildern und Gesten der Spiele zu machen, um sie auf diese Weise sinnvoll für die Entwicklung der Schüler einsetzen zu können. Die Kinder spüren, wie bei den Märchen, ob die Bilder und die Bewegungen echt, d. h. voll innerer Stimmigkeit sind.

 

Sophia Meyer-Fischer, eine erfahrene Waldorfpädagogin, beschreibt in einem internen Arbeitspapier die verschiedenen Formen (Aufstellungen), die vielen Spielen zugrunde liegen:

Der Kreis ist die Urform, er gibt den Kindern die noch notwendige Hülle.

Die Kette ist ein Bild für das Bilden des Gedankenfadens. Aus der Gemeinsamkeit des Kreises, der sich gegenseitig hält, beginnt in der Kette die Vereinzelung.

Bei der ein- und auswickelnden Spirale (Schnecke) wirkt das Hineinführen harmonisierend, beruhigend, das Herausführen anregend, belebend.

Die Lemniskate führt durch die Kreuzung, sie bedingt die Entwicklung der Ich-Kraft. Es ist für die kindliche Entwicklung wichtig, durch diese Kreuzungspunkte hindurchzugehen.

„Diese Spiele sind die großen Helfer, die das heranwachsende junge Menschenkind sorglos spielend, doch voller tiefer Weisheit hinüberführen in das eigentliche Leben.“ Udo de Haes

 

Spielideen für die 1. Klasse

Diese Ideen sollen in weiteren Beiträgen ausführlicher dargestellt und z. T. durch Video-Dokumentation veranschaulicht werden.

  • Der Plumpsack
  • Die goldene Brücke
  • Häschen in der Grube
  • Meine Schimmel, die lieben den langsamen Gang
  • Wir öffnen jetzt das Taubenhaus
  • Ringlein, Ringlein du musst wandern
  • Ri-Ra-Ri-Ra-Rutsch, wir fahren in der Kutsch
  • Der Butzemann
  • Gretel, Gretel
  • Dieb, oh Dieb
  • Der Fischer wirft die Angel aus
  • Auf unsrer Wiese gehet was
  • Zeigt her eure Füße, zeigt her eure Schuh
  • Ein Kätzchen kommt gegangen
  • Ach, wie langsam kommt der Schneck von seinem Fleck

 

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