Waldhort

Ein Beitrag von P. Färber und M. Frenzel (Freie Waldorfschule Kassel)

Seit Februar 2014 hatte sich eine Gruppe aus Mitarbeitern von Hort, Vorstand, Schulgarten und aus dem Klassenlehrer-Bereich Gedanken gemacht, wie wir dem stetig wachsenden Bedarf an Hortplätzen nachkommen können, obwohl die bestehenden Räume und das Gelände bereits an der Grenze ihrer Aufnahmekapazität waren. Nach einigen ratlosen Sitzungen kam die Idee auf, ob wir nicht die waldnahe Lage unserer Schule nutzen könnten? Erfreulicherweise erhielten wir von Hessen-Forst bald grünes Licht für die Aufstellung eines Bauwagens in fußläufiger Entfernung zur Schule.

 

 

Es wurde nach reiflicher Überlegung beschlossen, dass der Waldhort ein Angebot für Kinder der Eingangsstufe und Erstklässler sein sollte, da die Umgebung des Waldes ein ideales Spiel- und Lehrfeld zur Entfaltung der Sinne darstellt und zudem der Lehrplan dieser Jahrgangsstufen eine treffliche Zeiteinteilung bietet, um die Waldhortzeit zu nutzen. So treffen sich die Kinder nach der Schule gegen 12.00 zum Mittag im Horthaus, um dann gemeinsam gegen 13.00 Uhr in wettergerechter Kleidung zum Waldhortplatz und Umgebung zu wandern. Dort ist dann Zeit zum Spielen und Entdecken. Mit einem kleinen Imbiss gestärkt, verlassen alle spätestens 16.30 Uhr den Wald und kehren zum Horthaus zurück. In der Anfangszeit durchstreiften die Kinder der damaligen ersten Klassen die Wälder und den Bergpark.

Durch die Initiative der Leiterin unserer Ganztagsschule be­kamen wir einen ausgedienten Bauwagen günstig angeboten. Die Drittklässler (heute 5a) haben den Innenraum kurz vor den Sommerferien unter Anleitung von Lehrern und Eltern mit Profilholzbrettern verkleidet und so eine wohnliche At­mosphäre geschaffen. Decke und Feinarbeiten sowie Regale, Podeste und eine Sitzbank wurden vom Meister und Auszu­bildenden unserer Holzwerkstatt (Berufsbildendes Gemein­schaftswerk) ausgeführt. Für die Außengestaltung wurde der nach einem Wettbewerb der sechsten Klasse (heute 8b) prä­mierte Entwurf von einigen Schülerinnen und Lehrern in der Freizeit großflächig auf die Außenwände gemalt.

Bei dem Einweihungsfest am 26.9.2014 konnte nun dieser schöne Wagen mit Traktor in einem feierlichen Zug an die uns von Hessen-Forst zugewiesene Wiese oberhalb der Endhalte­stelle am Druseltal gezogen werden. Mit dem Bauwagen kam Herr Warnek zu den dreizehn Hort­kindern und Frau Küchler, der Anerkennungspraktikantin. Gemeinsam legten sie Holzvorräte an, besorgten Möbel und Werkzeug und begannen den Bauwagenplatz zu beleben.

Mit Frau Frenzel, die kurz vor den Weihnachts­ferien zur Waldhortgruppe dazu stieß, bekamen die Kinder ihre endgültige Begleiterin. Mit viel Matsch und Regen begann die gemein­same Zeit. So kam es, dass sich die Hortgruppe so manches Mal in „Wildschweine" verwandel­te, was sicherlich die Leistungsfähigkeit der Waschmaschinen der Eltern auf die Probe stellte. Viel Schnee folgte und die Gruppe betrat nach Verlassen der Straße zauberhaft weiße Schnee­landschaften. Alle sind Meister im Schlitten­fahren und Poporutschen geworden. Viele Feuer brannten an den kalten Tagen im Ofen des Bauwagens und wärmten kalte Füße und trockneten nasse Strümpfe.

 

 

Der Schneegenuss war so groß, dass beinahe ein Bedauern in der Luft lag, als das vertraut gewordene Rotkehlchen die wärmeren Sonnenstrahlen begrüßte. Langsam wich das Weiß des Winters dem Braun des beginnenden Frühjahres. Mit klin­gelnden Masken wurden die ersten Frühjahrsblüten herbeige­rufen und die letzten Winterspuren vertrieben.

Nun begann der Bau des Waldklos. Mit viel Geduld und Wei­denrutenmaterial wuchs die Hütte stetig, die im Sommer dann endlich mit Klokiste und Deckel eingeweiht wurde. Die warm gewordenen Tage lockten die Waldhortgruppe auch zur Erkundung des nahegelegenen Baches, wo so mancher Schatz entdeckt wurde.

 

 

Zum Abschluss des ersten Waldhortjahres steht ein großer DANK! Ein Dank an alle Entdeckungen und neu erlebten Fä­higkeiten. Ein Dank an alle tatkräftigen Helfer und Mitdenker. Ein Dank an den Wald. Ein Dank an den Hessen-Forst, insbe­sondere an Herrn Kauffeld.

Auch das kommende Jahr ist schon voll im Gange. Unter an­derem steht der Bau eines stabileren Daches bevor, es wer­den Holz- und Köstlichkeitsvorräte für den Winter angelegt und ein Vogelkasten ist in Arbeit.

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