Lavendelsäckchen herstellen

Ein Beitrag von Simone Müller

  • Empfohlen für die Unterstufe
  • Material: ca. 1 m² dünner Baumwollstoff, Wollfaden, Bastelschere, ca. 7 Lavendelzweige pro SchülerIn.

 

 

Anfang Juli vertrat ich eine 2. Klasse. Da auf unserem Balkon gerade der Lavendel verblüht war, kam ich auf die Idee, Duftsäckchen herzustellen. Ich hatte noch einen Rest von weißem, dünnem Stoff und von Sockenwolle (ist sonst auch über die Handarbeitskolleginnen zu bekommen). Die einzige Vorbereitung bestand im Ernten der Lavendelzweige - und im Ausdenken einer kleinen Geschichte, um die SchülerInnen innerlich auf die Arbeit einzustimmen.

Es war einmal ein kleiner Vogel, der, nachdem er flügge geworden war, die Welt erkunden wollte. Besonders angetan hatten es ihm die Blumen, die alle so unterschiedlich waren an Farben, Formen und Düften. Auch ihre Namen waren wohlklingend und gaben manchmal einen Hinweis auf ihre Aufgabe.

So flog der Vogel, wenn er sich nicht gerade ein Würmchen suchte, um den Hunger zu stillen oder an einer Pfütze trank, von Blume zu Blume. Im Frühjahr war er einmal an leuchtend gelben Blumen vorbeigekommen, deren Kelche zur Erde geneigt waren und die sich im Frühlingswind hin und her bewegten. „Wie heißt du und was bringst du den Menschen?“ hatte der kleine Vogel eine dieser Blumen gefragt. „Ich bin eine Osterglocke und ich läute den Menschen zum Osterfest“, war die Antwort gewesen. „Ich danke dir“, hatte das kleine Vögelchen zum Abschied gesagt und war weitergeflogen. Eines Tages war es an einer hochgewachsenen Blume vorbeigekommen, deren Blüte aus einem dunklen Kreis mit einem gelben Flammenkranz bestand. „Wie heißt du und was bringst du den Menschen?“ fragte der Vogel den Busch. „Ich bin die Sonnenblume“, antwortete die Blume, „und wenn es einmal regnet, erinnere ich die Menschen mit meinem leuchtenden Kranz daran, dass nach jedem Regen die Sonne wiederkommt.“ „Ich danke dir“, sagte der Vogel und schwang sich wieder in die Lüfte. [Es können nun verschiedene Blumenbegegnungen folgen, die für die Kinder jedes Mal ein kleines Rätsel darstellen, bevor der Name genannt wird: Rose, Gänseblümchen, Schwertlilie…]

Schließlich, es war in der heißesten Zeit des Sommers, kam der Vogel an einen Strauch, der zunächst wenig ansehnlich aussah. Am Ende seiner Zweige hatte er kleine, lilafarbene Blüten, von denen die meisten wohl schon verblüht und deshalb verblasst waren. Diese Blüten können sich nicht mit denen messen, die ich bislang kennen gelernt habe, sagte sich der kleine Vogel. Aber neugierig war er doch: „Wie heißt du und was bringst du den Menschen?“, fragte der Vogel. Da ging ein Windhauch durch den Strauch, so dass der Vogel den Namen nicht verstand, aber er nahm einen feinen Duft wahr, süß und ein wenig schwer und es schienen die Wärme und Trockenheit des Sommers darin zu sein. „Ich bringe den Menschen Ruhe“, sagte der Strauch. „Ich kann ihnen beim Einschlafen helfen oder sie beruhigen, wenn sie aufgebracht sind. Auch legen sie meine Blüten zwischen ihre Kleider, um die Motten fernzuhalten.“ Der Vogel hatte aufmerksam zugehört und je länger er den Duft dieser Pflanze in sich aufnahm, desto müder wurde auch er. „Ich will eine kleine Pause machen“, sagte er sich, steckte das Köpfchen unter das Gefieder und schlief ein.

Die Kinder errieten schnell, wie die beschriebene Pflanze hieß. Um ganz sicher zu sein, durfte ein Kind mit geschlossenen Augen in die Schachtel hineinriechen, in der sich der Lavendel befand. Viele Kinder erzählten von Lavendel im eigenen Garten.

Vor den Augen der Schüler wurde nun ein Prototyp angefertigt: ein Kind rieb die getrockneten Lavendelblüten vom Stängel, ein anderes drehte gemeinsam mit mir einen 1m langen und doppelt gelegten Wollfaden (dann also ca. 50 cm lang) zwischen den Fingern, bis die Spannung groß genug war, um ihn zu halbieren und Zentimeter um Zentimeter zu einer Kordel zusammenschnurren zu lassen.

 

 

Aus dem Stoff schnitt ich ein Quadrat von ca. 10 x 10 cm. Die Lavendelblüten wurden hineingelegt, der Stoff an den vier Ecken zusammengenommen und mit der Kordel zusammengebunden (eine Schleife sieht schön aus).

Die Kinder arbeiteten in Partnerarbeit und wir brauchten etwa 25 Minuten, bis alle ihr Säckchen hatten und das Klassenzimmer wieder aufgeräumt war.

 

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