Warum unsere Nachnamen entstanden sind

Unabhängig von den äußeren Gründen, die die Einführung eines Nachnamens sinnvoll machten, weist er uns auf einen Individualisierungs-Schub der Menschheit hin. Der Wunsch nach Unverwechselbarkeit wurde zunehmend stärker. Die Menschen stellten sich aber auch mehr in ihren Erbstrom. Der Nachname wird über Generationen weitergegeben.

Die Germanen kannten noch keine Nachnamen. Die Römer schufen hingegen ein 3-Namen-System: Quintus Horatius Flaccus (der 5. aus der Sippe der Horatier, der Blonde) - Rufname – Sippenname – Beiname.

Bis ins 12. Jahrhundert reichte es aus, wenn man Personen einen Rufnamen gab. Die Städte waren klein und übersichtlich, die Dörfer und Weiler ohnehin. Verwechslungen waren ausgeschlossen. Dann aber zogen immer mehr Menschen in die Städte. So hatte Lübeck, Hamburg, Frankfurt am Main um 1400 etwa 20.000 Einwohner, Köln 30.000. Insbesondere der Handel erforderte die Unterscheidung gleichnamiger Personen. Als die Städte größer wurden, reichte der Rufname allein nicht mehr aus u. man gab den Menschen Beinamen. Beispielsweise „der lange Hans" oder „der dünne Hans". So kam es, dass in einer Familie jeder einen anderen Beinamen führte. Familiennamen im heutigen Sinne haben sich aus Beinamen entwickelt, die zunächst nur an individuelle Personen vergeben waren, aber noch nicht an nachfolgende Personen weitergegeben wurden.

Um aber etwa Landbesitz zu dokumentiert, Steuerzahlungen festzuhalten usw. waren Beinamen auf Dauer ungeeignet. Sie funktionierten nur gut, solange sich alle Beteiligten persönlich kannten. Mit nur ein oder zwei Generationen zeitlichem Abstand war die Bedeutung amtlicher Dokumente kaum mehr nachvollziehbar. Die Namen waren da, aber die sichere Zuordnung zu einer Person war nicht mehr möglich. Administrative Gründen zwangen zu einer Entwicklung: der Beiname verschwand, der feste Nachname setzte sich durch.

Im 9. Jahrhundert wurde erstmals in Venedig ein Beiname vererbt. Diese Sitte breitete sich von dort aus im 10. Jahrhundert nach Norditalien und Südfrankreich aus. Im 11. Jahrhundert gelangte der Gebrauch nach Katalonien und Nordfrankreich, im 12. Jahrhundert nach England und in das Gebiet der Schweiz. Danach wurde der Gebrauch eines festen Familiennamens auch in den west- und süddeutschen Städten üblich. Anfang des 15. Jahrhunderts waren Familiennamen überall im deutschen Sprachraum anzutreffen, aber nicht durchgehend. Auch konnte der Familienname noch wechseln, zum Beispiel bei Wegzug oder aufgrund neuer Berufstätigkeit oder bis etwa 1800 bei der Einheirat in einen Bauernhof.

Während der Adel seit der Erblichkeit der Lehen im Jahr 1037 feste Familiennamen trug, um seine Erbansprüche geltend machen zu können, folgten erst später die Patrizier und Stadtbürger. Insbesondere im Patriziat hat noch die Wahrung des Familienbesitzes zur Bildung der festen Beinamen beigetragen, während im restlichen Bürgertum die Familiennamenbildung vor allem durch den Ausbau des Verwaltungswesens mit einer zunehmenden schriftlichen Beurkundung gefördert wurde. Der Familienname hatte bis ins 18. Jahrhundert hinein zumeist nur untergeordnete Bedeutung, während der Rufname der eigentliche Name blieb. Bäuerliche Gegenden kamen bis zum 17. oder 18. Jahrhundert ohne einen festen Familiennamen aus, in Friesland wurde er erst im 19. Jahrhundert gesetzlich eingeführt.

Durch Auswanderung können sich Nachnamen auch in Regionen und Sprachräumen verbreiten, die weit entfernt vom Ursprungsort des Namens liegen.

 

Der Nachname verwies zumeist auf den Beruf, auf die Herkunft, die Wohnstätte oder eine Eigenschaft. Hierzu einige Beispiele:

Beruf

Unter den 50 häufigsten deutschen Familiennamen stellen die Berufe die Mehrheit dar: Müller, Schmidt (Schmied), Schneider, Fischer, Meyer (Verwalter eines Hofes), Weber, Wagner (Wagenradbauer), Becker (Bäcker), Schäfer und Schulz (Ortsvorsteher). Manchmal sind die Berufe nur noch schwer zu erkennen: Hartnagel (Nagelschmied), Stoiber oder Stauber (Müller)
 

Herkunft

Herkunftsnamen geben an, woher die Person oder die Familie ursprünglich stammt oder wo sie längere Zeit gewohnt hat. Diese Namen entstanden in einer Zeit, in der sich eine starke Binnenwanderung vollzog und die Landbevölkerung in die auflebenden Städte zog. Zugezogene wurden oft nach ihrer Heimat benannt, etwa „Klaus [aus] Brandenburg“. Dabei entstanden Herkunftsnamen nach Ländern und Völkern (Unger, „der Ungar“), nach Stämmen (Bayer) und nach Regionen (Bergsträßer). Die häufigsten Herkunftsnamen sind: Frank(e) (aus Franken), Böhm(e) (aus Böhmen), Hess(e) (aus Hessen), Pohl (aus Polen oder Beziehung zu Polen, aber auch Orts- und Wohnstättenname).

Viele Herkunftsnamen gehen auf Ortsnamen zurück, zum Beispiel Basler („aus Basel“) oder Adenauer („aus Adenau“). Solche Familiennamen tragen häufig die Namensendungen von Orten: -bach, -berg, -burg, -dorf, -feld, -hagen, -hausen, -heim, -stein, -thal, -wald (zum Beispiel Lindenberg, Frankenstein, Grünewald). Auf slawische Orte bezieht sich die Namensendung -ow (eingedeutscht -au). Die Zuordnung zu einem bestimmten Ort allein anhand eines bestimmten Namens ist nicht immer möglich, da häufig mehrere Orte mit demselben Namen existieren, außerdem machen Personennamen bei Umzug einen viel vielfältigeren und weitreichenderen – und auch anderen – Lautwandel durch als die Namen der Orte selbst, sodass Herkunftsnamen bis zur Unkenntlichkeit entstellt sein können. 
 

Wohnstätte

Wohnstättennamen gehen normalerweise von einem Merkmal der Wohnstätte aus. Das kann zum Beispiel die Form des Geländes sein, z. B. Ebner (Wohnstätte im flachen Gelände), Berger (am Berg), Kuhlmann (in einer Vertiefung). Häufige Namen dieser Art sind: Becker und Beck (am Bach wohnend; auch Berufsname), Stein, Horn, Busch und Bergmann (auch Berufsname).

Es gibt immer wieder gleichlautende Orts- und Wohnstättennamen, was die Namensdeutung erschwert. Zum Beispiel kann Bühl (mhd. bühel „Hügel“) ein Herkunftsname sein (der erste Namensträger stammte aus einem Ort namens Bühl), aber auch ein Wohnstättenname (der erste Namensträger wohnte an einem Hügel). Bei Roth gibt es drei Möglichkeiten: Übername zur Farbe Rot (der Namensträger war rothaarig), Herkunftsname (er stammte aus einem Ort namens Roth), Wohnstättenname (er wohnte an einem gerodeten Platz).
 

Eigenschaften

Übernamen sind meist nach persönlichen Auffälligkeiten eines Menschen gewählt worden. Namensgebend sind häufig

  • die Körpergröße: Klein, Groß, Lang, Kurz
  • die Haarfarbe: Braun, Schwarz; Voss, niederdeutsch für „Fuchs“ im Sinne von rothaarig; Kohl, schwarz wie Kohle; die Haarform: Krause
  • andere Körpermerkmale: Link (für einen Linkshänder), Fuß (für jemanden mit auffälligem Fuß)
  • Charaktereigenschaften: Kühn, Fromm, Gut, Böse, Uebel, Froboess („früh böse“, „früh verdorben“)
  • biographische Merkmale: Neumann (für einen neu Zugezogenen)

 

Kommentar
11.04.2018 | Jens-Olaf Bodemann | Klassenlehrer
Vielen Dank für diesen interessanten Beitrag. Im Rahmen der Handwerkerepoche der 3. Klasse war ich in dieser Woche gerade auf das Thema gestoßen - im Zusammenhang mit den Berufen.
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