Waldorf 100 – wir bringen die Welt in die Schule

Ein Beitrag von Sven Saar

Seit vielen Wochen schon kommen bei uns Postkarten aus aller Welt an, und wir haben eine ständig wechselnde Ausstellung an der Tür zum Eurythmiesaal. Aber irgendwo in der Schule müsste man sie doch auch mal alle sichtbar machen? Wo gibt es eine Wand, die groß genug wäre? Und wäre es nicht überhaupt gut, die Schüler und Eltern könnten einmal sehen, wo es in der Welt überall Waldorfschulen gibt? Solche und andere Gedanken werden sicher in vielen Kollegien erwogen.

Hier ein Beispiel aus der Steiner Academy Hereford im Westen Englands:

Zwischen zwei Schulhöfen haben wir einen überdachten Durchgang mit einer sieben Meter langen, gerundeten Wand. Hier sollte unsere Weltkarte entstehen. Eine Woche Zeit nahm ich mir für die erste Phase, jeden Tag ein paar Stunden nach Schulschluss. Zunächst wurden vier Sperrholzplatten angeschraubt, damit das Bild nach ein paar Jahren auch wieder sauber verschwinden kann. Auf die Grundierung aus weißer Abtönfarbe wurde per Rastersystem die Karte gezeichnet, ziemlich seitlich gestreckt, um die Dimensionen der Wand möglichst gut auszunutzen. Zwei Tage wurden für das Ausmalen von Land und Meer verwendet, und am fünften Tag kam dann die Schulgemeinschaft: Alle Kinder und Kollegen durften sich eine Farbe aussuchen und eine kleine Stempelperson dorthin auf die Weltkarte setzen, wo sie eine Verbindung spürten oder vielleicht einmal hinreisen wollen. So haben sich am Ende der ersten Phase alle Menschen der Schule mit unserer Weltkarte verbunden. In der zweiten Phase, die sicher etwas länger dauern wird, finden die Siebtklässler in ihren Atlanten alle 1100 Waldorfschulen der Welt, und ihre Position wird mit kleinen Kupfernägeln auf der großen Karte angezeigt. Nur die Köpfchen schauen heraus, sodass man auch „erfühlen“ kann, wo es viele, und wo erst wenige Schulen gibt. Schließlich werden in der dritten Phase die Waldorfkarten, auf 25% ihrer Größe reduziert, ringsherum und am Rand der Weltkarte befestigt. So wächst mit unserem gemeinsamen Display auch das Bewusstsein, in eine große Waldorf-Welt-Familie eingebunden zu sein.

 


 

Hier einige Bilder zum Entstehungsprozess der Weltkarte: 
 

Kommentar
08.05.2018 | Petra Eimermacher | 44 Jahre Lehrerin, Mutter, jetzt Mentorin in China
Einfach klasse! Lernen mit Hand und Herz!
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