Tanzprojekt „creation moves"

Ein Beitrag aus der Jean-Paul-Schule Kassel

Über einen Artikel in der HNA wurden Kollegen auf das Tanzprojekt „creation moves" aufmerksam. Kasseler Schulklassen waren aufgerufen sich für die Arbeit mit dem Choreografen Royston Maldoom zu bewerben.

Als Abschluss und Höhepunkt einer fünfwöchigen Trainingsphase sollte es eine große Aufführung im Opernhaus geben.

Tatsächlich wurde die Jean-Paul Schule ausgewählt, so dass eine Werkstufenklasse, erweitert durch Mittelstufenschüler an dem Projekt teilnahm. Gemeinsam mit einer Klasse der Heinrich-Schütz Schule wurde intensiv geprobt.

In der letzten Woche fanden die Trainings auf der großen Bühne im Staatstheater statt. Nun ging es darum die Arbeiten der verschiedenen Teams zusammenzuführen, denn am Ende sollten ca. 120 Schülerinnen und Schüler zur einstudierten Choreografie und der Musik von Schostakowitsch gemeinsam tanzen. Vier ausverkaufte Aufführungen zeigten:

So viel Kreativität junger Menschen in Bewegung kann beeindruckend sein!

Ein Rückblick von Leoni, Jandark, Eros und Florin

 

Wir fanden das Projekt gut, weil wir viel gelernt haben. Es war für uns alle neu, auf so einer großen Bühne zu stehen!

Es war eine tolle Erfahrung!

Das „warm-up" in den Proben und vor den Aufführungen war am Anfang anstrengend, mit der Zeit haben wir uns daran gewöhnt.

Als wir das erste Mal mit den Schülern der Heinrich-Schütz-Schule zusammen trafen, waren wir alle sehr aufgeregt, weil wir nicht wussten, wie diese so ticken.

Wir hatten 5 Wochen Zeit von der ersten Probe bis zu den Aufführungen.

Wir waren auch aufgeregt, als wir das erste Mal im Staatstheater waren und mit den anderen 120 Schülern zusammentrafen. Wir haben uns die Bühne viel kleiner vorgestellt als sie eigentlich ist.

Die Premiere war am besten; leider war Royston Maldoom nicht dabei. Er kam aber bei der letzten Aufführung.

Es hat uns allen sehr viel Spaß gemacht!!!

 

Und alle können tanzen

Hessische Allgemeine Zeitung, 13. Mai 2013

 

VON Werner FRITSCH

KASSEL Die Szene hatte Symbolcharakter. Im leeren Weltall schweben vereinzelte Planeten, ehe ein roter Feuerball Energie andeutet. Wie eine Schöpfung aus dem Nichts muss auch den 130 Kasseler Jugendlichen die Tanzproduktion „creation moves" vorgekommen sein, die der berühmte Choreograf Royston Maldoom mit ihnen erarbeitet hat.

Denn für die meisten von ihnen war alles neu: sich auf einer Bühne bewegen, zu Orchestermusik tanzen, eine Choreografie erarbeiten - und sie bei der Aufführung trotz Lampenfieber gut herüberbringen. Dass dies bei der Premiere am Samstag auf tolle und sehr bewegende Weise gelang, dass den Tänzern am Ende im Kasseler Opernhaus Standing Ovations und heftiger Jubel von tausend Zuschauern entgegenschlugen, werden alle Beteiligten wohl kaum je vergessen. Schade nur, dass Maldoom selbst wegen eines Klinikaufenthalts die Premiere nicht miterleben konnte.

"Die Schöpfung der Welt" (la creation du monde, 1923), dieses vom Jazz beeinflusste Stück von Darms Milhaud gab im ersten Teil des Abends der Community Group, einer Gruppe tanzbegeisterter Jugendlicher, Gelegenheit eine Geschichte zu erzählen. Wie aus einer Verpuppung lösten sie sich zu den ruhigen Saxofonklängen des Beginns und stellten mit anspruchsvollen Figuren und Tableaus in Gruppen sowie solistischen Aktionen (lustig: das Seitwärtslaufen eines Krebses) den Schöpfungsmythos dar. Fein die Schlusspointe: Ein dicker Apfel senkt sich auf das Urpaar herab, und ein Wurm mit Teufelshömehen robbt heran.

Nicht weniger gelungen, wie dann die 130 Jugendlichen in verschiedenen Gruppen und Konstellationen, unterschieden durch die Farben der schlichten Kostüme, die acht Sätze von Dmitri Schostakowitschs „Suite für Variete-Orchester" (1988) vortanzten.

Eindrucksvoll war vor allem, wie es Maldoom gelungen ist, die Gruppen in immer neue Konstellationen zu führen und dabei die Individualität jedes einzelnen Tänzers, etwa in den Defilees, zur Geltung kommen zu lassen. Alle können mittanzen, und alle haben etwas Unverwechselbares beizutragen - diese wertvolle Erfahrung können die Mitwirkenden wie auch die Zuschauer aus dieser Produktion mitnehmen.

Vielleicht das Beste aber an diesem allein durch Spenden (150.000 Euro) finanzierten Projekt: Es ist einfach gut gemacht und nicht nur gut gemeint. Viele Bilder werden bleiben, etwa die Fröhlichkeit der jüngsten Gruppe, die im Marschsatz mit Clownsnasen wilde Tanzbewegungen vollführte, aber auch die Ernsthaftigkeit der Älteren bei ihren Paar- und Gruppenaktionen im Walzersatz. Nicht zu vergessen das Staatsorchester, das unter der Leitung von Patrik Ringborg und Yoel Gamzou für viel Schwung sorgte.

Die letzten Aufführungen heute, 10 und 18 Uhr, sind ausverkauft

 

Mitwirkende

Tänzen Schüler der Grundschule am Wall, Jean-Paul-Schule, Hegelsbergschule, Heinrich-Schütz-Schute, Georg-Büchner-Schule, Carl-Schomburg-Schute und eine Gruppe tanzinteressierter Jugendlicher „Community Group" Choreograf. Royston Maldoom Choreografische Assistenz: Mia Sophia Bilitza und Katja Borsdorf Kostüm«: Evelyn Schönwald Staatsorchester Kassel Dirigenten: Patrik Ringborg, Yoel Gamzou

 

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